Capacity Unbalance Test Set

Hallo zusammen!

Ich habe heute am Trödelmarkt ein wunderschönes altes Elektrogerät gesehen.

Am Bezeichnungsschild steht "Capacity Unbalance Test Set" und es ist "Made in Hungary" von der Firma TEL-MES.
Nach dem tollen Holzgehäuse zu schließen, dürfte es aus den 50er oder 60er Jahren stammen.
Ein bisschen geputzt und poliert, wäre es eine großartige Dekoration für jede Werkstatt.

Weiß zufällig jemand, was man mit diesem Gerät testen kann bzw. konnte? Ist das so eine Art Kompensationsanlage?  

  • Hallo Funkenschuster,

    da hast du ein sehr schönes Teil gefunden. Wäre interessant, ob innen auch noch alles in so gutem Zustand ist. Von der Bauweise her und nach der Form der Bedienelemente und der Kapazitätanzeige des Drehkondensators würde ich auch auf 50/60er Jahre tippen. Davor waren alle Holzgehäuse schwarz, keine Ahnung warum.

    Gut wäre, wenn die Bilder ein Fernmeldetechniker älteren Semesters sehen würde, denn der könnte bestimmt was zu diesem Testgerät sagen. Meines Erachtens ist das eine sogenannte "Kopplungs-Meßbrücke" oder "Kopplungsmesser", also eine kapazitive Messbrücke nach Wheatstone. So ein Gerät wurde früher in der Fernsprechtechnik eingesetzt, um die Kupferkabel zu entkoppeln, damit sich die Signale der gleichzeitig übertragenen Gespräche nicht überlappen. Dazu wurden Teilkapazitäten in anderen Adernpaaren desselben oder eines angrenzenden Telefonkabels gemessen (k = kap. Nebensprechkopplungen, e = Erdkopplungen), um sie mit Ausgleichskondensatoren zu entstören. Die Kapazität dieser Entstörkondensatoren wurde durch Drehen am pF-Meter (dahinter steckt ein großer Drehkondensator) ermittelt. Statt einem Messgerät wurde ein Messhörer verwendet.

    Ich denke, auch heute würde diese Entkopplungs-Messbrücke noch gute Ergebnisse liefern, auch wenn diese Art der Messung und Signalentstörung durch den standardmäßigen Einsatz von Entstörkondensatoren und Abschlusswiderständen sowie durch die digitale Übertragungstechnik und hochwertigen Fernmeldekabeln mit guter Nebensprechdämpfung nicht mehr erforderlich ist. Auch den Zeitaufwand zur Ermittlung der Entstörkapazitäten (je Adernpaar sind 6 Mess-Schritte k1 bis k3 und e1 bis e3 notwendig) eines Mehrfachkabels würde heutzutage wohl niemand mehr bezahlen wollen. Gerade für die Kommunikationstechnik gibt es eine ganze Reihe praktischer Test- und Messgeräte, teilweise sogar mit Autotest-Prozeduren und bequemer Dokumentationsmöglichkeit. 

    Auch für ein weiteres Einsatzgebiet des Kopplungsmessers, nämlich der Fehlerortung bei einem Kabelbruch, gibt es mittlerweile schneller arbeitende Geräte (auch wenn die nicht unbedingt genauer sein müssen).