Kleinsteuerung Moeller easy 412-AC-RC noch aktuell?

Schönen guten Tag!

Wir sind im Zuge der Lagerauflösung eines Kunden in den Besitz von einigen Geräten gekommen, die zwar noch originalverpackt sind, aber doch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben. Dazu gehören unter anderen ein paar Kleinsteuerungen Moeller Easy 412-AC-RC (siehe Foto unten).

Mittlerweile heißt das Unternehmen ja Eaton Electric und die vergleichbare Mini-SPS ist wohl die Type EASY 512-AC-RC (230VAC, 8xDI, 4xDO Relais) - siehe hier #2665992.

Stellt sich jetzt die Frage: Kann man die noch einsetzen und ggf. mit neuen Eaton-Produkten ergänzen?

Hier meine ich in erster Linie z.B. die EASY-M-Speicherkarten #2622750, die ja laut Beschreibung mit "Easy500/700" kompatibel sind und das Moeller-Logikmodul ja eigentlich eine Easy400 ist. Der kleine CAB-Stecker hinter der Abdeckung schaut jedenfalls ganz gleich aus wie bei den neuen Modellen.

Darüber hinaus wäre natürlich auch interessant, ob sich das alte Moeller-Gerät mit der Eaton-Software (easySoft-Pro #2665976) und dem Transferkabel EASY-USB-CAB (#2853693) programmieren lässt? Bei der Software ist jedenfalls auch Easy400 erwähnt, beim Programmierkabel aber wieder nur Easy500. Ich meine, mit aktueller Software und Kabel wäre es ja vergleichbar mit diesem Set #2651610, oder? Und ob da Moeller oder Eaton draufsteht, sollte ja keine Rolle spielen ...

Danke!

  • Hallo Licht.Punkt,

    zunächst einmal gratuliere ich zu den Geräten. Sie mögen zwar schon etwas älter sein, aber immer noch ganz brauchbar für kleine Steuerungsaufgaben.

    Wenn sie noch voll funktionsfähig sind, sollten sie auf jeden Fall auch eingesetzt werden. Ob nun Klöckner-Möller, Moeller oder Eaton am Gehäuse zu lesen ist, macht keinen Unterschied. Wesentlich sind allerdings die technologischen Fortschritte, die sich im Inneren befinden.

    Es muss wohl Mitte oder Ende der 90er gewesen sein, als die Easy-Serie vorgestellt wurde. Ich hatte damals gerade erst zu arbeiten begonnen und bekam als Muster eine 412-AC-R von der lokalen KM-Vertretung (die -RC mit Wochenzeitschaltuhr gab's noch gar nicht). Hab sie aber leider nie eingesetzt. Die Industrie war damals genauso wie heute auf Siemens fixiert.

    Naja, jedenfalls gab es zu Beginn die easy400 und easy600. Die Unterschiede lagen in der Anzahl der Ein- und Ausgänge und somit in der Breite: 400er = 4 TE (71,5 mm), 600er = 6 TE (107,5 mm). Durch die Anzahl der I/Os waren auch die maximalen Strompfade mit 41 bei der kleinen 412er und 121 Strompfade bei der easy600 limitiert ("Leistungsklasse" 4 bzw. 6). Mit 8 Eingängen und 4 Ausgängen werden aber ohnehin nie mehr als 41 Pfade zur "Verdrahtung" benötigt.

    Jede Mini-SPS hatte seinen eigenen Speicherbaustein. Für die kleine 400er-SPS kann das Programm gar nicht so groß sein, dass es nicht auf einer 8k-Speicherkarte Platz findet. Daher ist die EASY-M-8K (#2574726) für die Easy400-Reihe und die EASY-M-16k (#2622750) für die Easy600-Reihe vorgesehen.

    Selbstverständlich kann ein Stromlaufplan von der easy400 auf einer 8k-Karte gespeichert und auf eine easy600 übertragen werden, umgekehrt geht das aber nicht und auch das 16k-Speichermodul ist mit der easy400 nicht kompatibel.
    Achtung: Das jetzt ebenfalls erhältliche 32k-Modul wird von beiden Steuerungsgeräten nicht akzeptiert!

    Ein paar Jahre später, 2003 oder 2004 herum, kamen dann neue, leistungsstärkere Logikmodule auf den Markt. Dies waren die easy-Serien 500, 700 und 800, übrigens immer noch unter der Marke Moeller. Erst ab 2008 oder 2009 wurde Moeller auf Eaton umbenannt und die Gehäuse dieser Mini-Steuerungen erhielten einen neuen Markenlogo-Aufdruck. Von der Größe her ist die 500er-Serie gleich wie die 400er, also 4 Teilungseinheiten breit (nicht 5, wie man aus der Bezeichnung schlussfolgern könnte), und die neue 700er-Geräte verstanden sich damals mit 6 TE als Nachfolger der 600er-Reihe.

    Rein äußerlich ist die Easy 512-AC-RC von der Easy 412-AC-RC tatsächlich nur durch die eine Ziffer und der Form des Moeller-Logos (bzw. das Eaton-Logo bei neueren Modellen) zu unterscheiden. Allerdings kann das kleinste 512er-Modell bereits 128 Strompfade mit je bis zu 3 Kontakten (oder Zähler, Merker, Timer) und 1 Spule abarbeiten. Ein größerer Speicher und schnellerer Prozessor machen das möglich. Die Easy 719/721-Geräte haben ebenfalls max. 128 Strompfade zur Verfügung, im Vergleich zur 600er-Reihe ermöglichen aber schnellere Zykluszeiten kürzere Reaktionszeiten und eine komplexere "innere Verdrahtung". Darüber hinaus stehen mehr unterschiedliche Ein- und Ausgangs-Kombinationen zur Auswahl (Input: Digital/Analog, Output: Relay/Transistor).

    Aufgrund des gesteigerten Funktionsumfangs und des größeren Speichers gibt es für die easy 500/700 das 32k-Speichermodul (#2665994), das – wie schon weiter oben gesagt – bei den älteren 400/600-Versionen nicht funktioniert. Auf eine Easy 500 und 700 kann aber der Stromlaufplan von einer easy 400/600 mithilfe einer 8k- oder 16k-Speicherkarte übertragen werden (nur lesen, nicht schreiben). Die umgekehrte Richtung ist gesperrt.

    Das Premium-Modell Easy 822 (#2741021) bietet 12 DI (4 auch als AI nutzbar), 8DO und 1 AO und kann mit bis zu 256 Strompfaden mit max. 4 Kontakten und 1 Spule umgehen. Mehrere dieser Geräte lassen sich per easy-NET (über Netzwerkkabel) miteinander vernetzen. Als Speicherkarte ist die EASY-M-256K (#2727723) erhältlich. In der Erweiterung mit MFD-Modulen (z.B. MFD-R16 #2755059) und MFD-Displays (z.B. MFD-80-B #2581008) kann die Kommunikation mithilfe von easyNet über Entfernungen bis zu 1000 Meter erfolgen. 

    Das Programmierkabel hat sich im Laufe der Modellentwicklung übrigens nicht wesentlich geändert – zumindest was den geräteseitigen Stecker (CAB) betrifft. Aber zum Anschluss an den PC/Notebook kann man zusätzlich zur damals üblichen 9-poligen seriellen Schnittstelle (EASY-PC-CAB #2574727) jetzt auch den universellen USB-Stecker (EASY-USB-CAB #2853693) wählen. Mit beiden Kabeln funktioniert der Datentransfer zwischen Computer und Easy-Logikmodul, aber nur noch wenige Notebooks sind heutzutage mit einer seriellen Schnittstelle ausgestattet.

    Die easySoft-Programmiersoftware wurde schrittweise von V1 zu V6 upgedatet und kann in der aktuellen Version für alle Versionen der Easy-Kleinsteuerungen verwendet werden. Für das 412er-Gerät brauchst du aber nicht die easySoft Pro (#2665976), hier genügt die billigere easySoft Basic (#2082849) – du kannst auf der Abbildung sehen, dass die Basic für easy 400, 500, 600 und 700 geeignet ist. Nur die 800er-Serie und MFD-Titan haben einen erweiterten Funktionsumfang/Vernetzbarkeit und verlangen daher auch nach der Pro-Version.