FI als Schalter verwenden - geht das?

Guten Morgen!

Ich war gestern bei einem Kunden um den Hinterhof für ein zukünftiges Projekt anzuschauen und zu vermessen, da ist mir eine interessante Eigenkreation aufgefallen.

Die kleine (tragbare) Tauchpumpe im Brunnen ist mit einem Stecker an einer Steckdose angeschlossen. Dabei handelt es sich um eine gewöhnliche UP-Steckdose, die in einem selbstgebauten "Kleinverteiler" aus Holz montiert ist, der unter einem Dachvorsprung sitzt. Zum Ein- und Ausschalten wird der 2-polige FI-Schutzschalter 25A, 30mA verwendet, der offenbar als Zusatzschutz für die Steckdose dient. Etwa 20 m entfernt sitzt ein "richtiger" Kleinverteiler, in dem ein 16A Leitungsschutzschalter diesen Stromkreis vor Überlast und Kurzschluss sichert.

Nun, ein bisschen kenne ich mich ja mit Elektroinstallationen aus, aber die Ansammlung an Unklarheiten bei dieser kleinen Konstruktion überfordert mich doch ein wenig.

Die erste Frage:
Auch wenn dieses Bastelei nicht in unserem Auftragsumfang liegt, müssen wir (als Fachfirma) hier etwas unternehmen?

Wenn ja, wäre wohl zunächst ein geeigneter AP-Installationsverteiler vorzusehen. Und auch die Steckdose sollte für die Installation im Freien geeignet sein – IP44 sollte reichen, oder? Auch die Befestigung und Zugentlastung der elektrischen Leitungen ist verbesserungsfähig. 

Aber:
ist es überhaupt zulässig, den FI-Schutzschalter nach dem Leitungsschutzschalter zu installieren und ihn auch noch räumlich zu trennen?
Darf ein Fehlerstromschutzschalter oder Leitungsschutzschalter zum Ein/Aus-Schalten des Verbrauchers eingesetzt werden?

Was wäre euer Vorschlag, um diese Pumpenanspeisung vorschriftsmäßig zu installieren und leicht bedienbar zu machen?

Fragen über Fragen ...

Danke schön :-)

  • Interessante Konstruktion, aber in dieser Anordnung (leider) nicht ganz unüblich.

    Zum ersten Punkt: Wie die rechtliche Lage genau aussieht, kann ich jetzt nicht sagen, aber als Fachmann/Fachfirma hast du ja auch noch die Hinweispflicht. Außerdem wäre es ein Verstoß gegen die "Berufsehre", bei einem Missstand einfach wegzuschauen. Leider ist die "Geht-mich-nix-an"-Einstellung sehr weit verbreitet ...
    Gefahr im Verzug scheint jedenfalls nicht zu sein, denn vom Zustand her ist diese Installation schon einige Jahre (erfolgreich) in Betrieb. Auf jeden Fall würde ich den Eigentümer über deine Bedenken zur Ausführung zumindest (schriftlich) informieren.

    Zum zweiten Punkt: Das ist ganz klar: wenn diese Geräte im Freien sitzen, sollten sie mindestens in IP44 ausgeführt sein. Und aus Brandschutzgründen sollte ein "Holz-Verteilerkästchen" nicht unbedingt auf einer Holztüre montiert sein (siehe auch diesen Beitrag). Also ein Kunststoff-Kleinverteiler mit Deckel (ein. sog. Automatenverteiler wie der Spelsberg AK03 #2612814) für den FI (besser wäre hier ein LS/FI) und eine IP44-Steckdose mit Klappdeckel oder eine entsprechende Steckerverbindung.

    Eine gute Alternative wäre, den FI (samt AP-Verteilerkasten) ganz zu eliminieren und eine Steckdose mit integriertem FI-Schutzschalter (damit die Anforderung nach dem Zusatzschutz erfüllt ist), also einen "FI-SCHUKOMAT" wie den Busch-Jäger 3120 EUGB-44 (#2132224) zu montieren. Diese FI-Steckdose wird also vom 16 A Leitungsschutzschalter in der Unterverteilung gesichert und über einen 2-poligen Kontrollschalter mit 16 A, wie z.B. der Busch-Jäger 2601/2 SKWNH-53 (#2053519) kann die Pumpe komfortabel bedient werden.

    Drittens: Ein FI-Schutzschalter (die heißen jetzt übrigens RCDs) ist ebenso wie ein Leitungsschutzschalter ein sogenannter Leistungsschalter. Das bedeutet, sie können auch unter Last ein- und ausgeschaltet werden (im Gegensatz zu Trennschaltern). Nachdem der eingesetzte FI für einen Nennstrom von max. 25 A dimensioniert ist, sind die 3–4 Ampere für ihn kein Problem. Ich wüsste jetzt spontan keinen Grund, warum ein LS oder FI nicht auch zum Schalten des Verbrauchers eingesetzt werden könnte. In der Gastronomie und in einigen Werkstätten ist das keine unübliche Praxis – obwohl es natürlich auch besser Möglichkeiten dafür gibt. Im Grunde kannst du die Pumpe auch mit dem Stecker "bedienen". Manchmal wird bei kleinen Tauchpumpen vom Hersteller im Zuleitungskabel ein Schalter vorgesehen - ist der noch vorhanden? 

    Viertens: Wenn der Eigentümer von mir eine bessere Lösung verlangen würde, dann würde ich den 16 A Leitungsschutzschalter im vorgelagerten Verteiler gegen einen FI/LS-Kombischalter 1P+N C16A/30 mA austauschen (oder den LS zumindest hinter einen eventuell vorhandenen 4-pol. FI anhängen). Für den Stecker der Tauchpumpe kommt eine spritzwassergeschützte Steckdose an die Außenwand und daneben ein Schalter 0-1-Schalter mit entsprechender Schutzart. Diese schlagfeste AP-Kombination 4246 WSG ISO-Panzer 7 (#2117264) von Berker schaut cool aus! Oder auch das Set 227875 von Merten (#2041039). Besser zum Schalten der Steckdose wäre auch hier wieder ein 2-poliger Kontrollschalter (also z.B. Merten Schalter 372275 #2113490 plus Steckdose 279091 #2113313), aber in diesem Fall gibt es keine Kombination. 

    ... und natürlich noch eine schöne Kabelverlegung im Kunststoff-Elektroinstallationsrohr.

    Tipp: Wenn die Pumpe ohnehin so gut wie immer im Brunnen sitzt, kannst du auch eine "ortsfeste" Installation daraus machen, indem du den Stecker von der Pumpe abschneidest und das Kabel direkt an einen der oben angegebenen 2-poligen Kontrollschalter (16 A) anschließt. Jetzt kann die Spannungsversorgung direkt vom ohnehin vorhandenen 16 A-Leitungsschutzschalter in der Unterverteilung erfolgen, den laut DIN VDE 0100-410 ist für fest angeschlossene Betriebsmittel kein Fehlerstrom-Zusatzschutz vorgeschrieben. Jetzt sitzen also nur noch 1 Schalter und eventuell ein Klemmkasten zwischen Pumpe und Schutzschalter. Trotzdem wäre es empfehlenswert, den LS gegen einen FI/LS auszutauschen (mit z.B. 100 oder 300 mA, damit es nicht zu Fehlauslösungen durch die alte Tauchpumpe kommt).

  • Als Antwort auf Markus Mattern:

    Achtung Richtigstellung!

    Ich habe mir kürzlich die neueste Fassung der DIN VDE 0100-410:2018-10 (Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag) sowie die DIN VDE 0100-530:2018-6 (Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel - Schalt- und Steuergeräte) zu Gemüte geführt und dabei einige Festlegungen entdeckt, die dem widersprechen, was ich in meinem vorigen Beitrag zum Besten gegeben hatte. Sorry gleich mal vorab.

    Die Normen und Vorschriften der Elektrotechnik werden bekanntlich alle paar Jahre etwas überarbeitet und "verfeinert" (verschärft). Entgegen anderslautender Meinungen erfolgt dies aber nur äußerst selten auf Drängen der Hersteller hin, sondern basiert hauptsächlich auf neuen Erkenntnissen durch Analysen von Fehlerursachen (z.B. Überspannungs- und Blitzschutz, Grenzwerte usw.) und den Möglichkeiten moderner Technologien (siehe AFDD Brandschutzschalter).

    Vor allem wer schon längere Zeit in dieser Branche aktiv ist, neigt dazu, im Zweifelsfall auf sein Gefühl zu vertrauen (wie ich es tue), anstatt sicherheitshalber die einschlägigen Normen und Vorschriften zu Rate zu ziehen (was manchmal ganz schön zeitintensiv sein kann).   

    Daher jetzt eine Richtigstellung meiner früheren Antworten.

    zu Drittens:
    Im Abschnitt 530.4.5 der Errichter-Norm DIN VDE 0100-530 wird ausdrücklich verboten, "Schutzeinrichtungen zum betriebsmäßigen Schalten von Stromkreisen vorzusehen". Mit dieser Formulierung wird also die umstrittene, wenn auch gängige Praxis, Beleuchtungskreise direkt im Verteiler über den jeweiligen Leitungsschutzschalter ein- und auszuschalten, offiziell untersagt. Ausgenommen hiervon sind nur Schalthandlungen, die im Zuge von Prüfungen, Wartungs- oder Instandhaltungszwecken durchgeführt werden. Das reguläre Schalten der Tauchpumpe mit dem FI-Schutzschalter ist also nicht erlaubt.
    Dem Betreiber bleibt also nur die Ausrede, die Pumpe im Brunnen lediglich zur regelmäßigen Funktionsprüfung einzuschalten ;) 

    zum Tipp: Wenn man einer Tauchpumpe den Stecker am (feinadrigen) Kabel abschneidet und sie in einem Klemmkasten fest mit dem Stromkreis verbindet, wird daraus noch lange kein "ortsfester" Verbraucher. Endstromkreise mit "ortsveränderlichen" Wechselstromverbrauchern im Außenbereich sind - auch wenn sie fest angeschlossen werden - mit einem 30mA-Fehlerstromschutzschalter zu schützen. Als Beispiele dazu werden Teich- oder Gartenpumpen angeführt. Die Norm DIN VDE 0100-410 empfiehlt bei diesen Anwendungen den Einsatz von FI/LS-Kombischaltern (sogenannten RCBOs).

    Im obigen Beispiel wäre also ein kombinierter FI/LS-Schalter mit C16A und 30mA (z.B. Hager ADS966D #2850834) zur Absicherung der Steckdose bzw. des Stromkreises mit fest angeschlossener Tauchpumpe zu empfehlen. Und zusätzlich muss für die Bedienung auch ein separater Schalter montiert werden, am besten in Sichtweite zum Brunnen.