Welche IP Klasse bei starker Luftfeuchtigkeit?

Hallo zusammen,

ist es für die nötige Beleuchtung in einem Badzimmer, auch direkt über der Dusche, möglich eine Lampe mit IP44 einzubauen? Es heißt ja immer die wären Feuchtraum geeignet. Bei einem Badezimmer ohne Fenster, herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit und ich habe die Sorge das die Lampen nach kurzer Zeit Schaden nehmen.

Was meint ihr? Danke für eure Hinweise.

  • Hallo Prillan,

    Das Badezimmer selbst gilt nicht als Feuchtraum (siehe auch diesen Beitrag), aber rund um die "Nassbereiche" Badewanne oder Dusche sind in der DIN VDE 0100 Teil 701 sogenannte Schutzbereiche festgelegt.

    • Der Bereich 0 ist nur im Innenbereich der Badewanne bzw. Duschtasse definiert. Hier dürfen nur fest montierte Leuchten mit Schutzkleinspannung SELV (12 VAC oder 30 VDC) eingesetzt werden und diese müssen mindestens Schutzart IPX7 aufweisen (also IP67 oder höher). Als Anwendungsbeispiel fallen mir hier die Spots in einem Wirlpool ein oder ein LED-Lichtschlauch als coole Effektbeleuchtung.
    • Der Bereich 1 umfasst den Raum, dessen Fläche durch die Umrisse der Badewanne oder die Wände der Duschkabine (bei einer "offenen" Dusche max. 120 cm rund um den Brausekopf) und in der Höhe bis 2,25 m definiert ist. Hier dürfen ebenfalls nur Leuchten fix installiert werden, die mit Schutzkleinspannung SELV/PELV (max. 25 VAC oder 60 VDC) versorgt werden und deren Schutzart mindestens IPX4 (Spritzwassergeschützt) beträgt – beispielsweise also IP44 oder besser. Anwendungsbeispiel: Deckeneinbau-Downlight SLV Eyedown LED 3x 1W (#3082188) – das zu deiner Frage "direkt über der Dusche.
    • Der Bereich 2 ("Sprühbereich") schließt einen Raum ein, der zum Bereich 1 horizontal nochmal zusätzliche 60 cm umfasst. Ebenfalls 60 cm rund um den Wasserhahn am Waschbecken (Handbereich). Auch hier müssen die Leuchten mindestens IPX4 geschützt sein, es sind aber auch Rasiersteckdosen mit Trenntrafo zulässig.

    Wenn in der Wanne oder Dusche auch Massagedüsen vorhanden sind, dann müssen die Leuchten in Bereich 1 und 2 mind. Schutzart IPX5 (z.B. IP65) aufweisen – also gegen Strahlwasser geschützt.

    Außerhalb der definierten Bereiche 0 bis 2 ist zumindest in der Norm nicht festgelegt. Ist die Raumhöhe über 2,25 m, dann müssten genaugenommen auch direkt über der Dusche keine besonders geschützten Leuchten eingebaut werden. Allerdings würde ich, wenn wie in deinem Fall im fensterlosen kleinen Badezimmer beim Brausen eine hohe Luftfeuchtigkeit und gelegentliche Wasserspritzer auftreten, grundsätzlich alle Leuchten zumindest in IP44 ausführen (also z.B. Downlights mit Schutzglas).   

    Übrigens: Die Transformatoren und Treiber für die LED-Downlights müssen klarerweise außerhalb des Bereiches 0 und 1 installiert werden, denn ansonsten würde ja die 230 V-Zuleitung in diese Schutzzonen eindringen und das ist nicht zulässig.

    Steckdosen und Lichtschalter dürfen nur außerhalb der Schutzbereiche 0, 1 und 2 montiert werden. Da hier kein besonderer Schutz vorgesehen ist, sind normale IP20 UP-Schuko-Steckdoseneinsätze in Ordnung. In der Nähe des Waschbeckens oder neben der Waschmaschine kann ggf. ein Klappdeckel und/oder Dichtung nachgerüstet werden - siehe diesen Beitrag dazu.

  • Wenn die Lampe höher als die im Bild abgebildeten 2,25m angebracht wird, dann brauchst du an sich nicht einmal IP44. Ich würde bei einer Neuanschaffung aber trotzdem darauf achten, eher eine höhere Schutzklasse zu wählen, eventuell sogar IP65, damit die Lampe auch Strahlwassergeschützt ist. Damit kann dann auch der direkte Duschstrahl die Lampe treffen, ohne dass es zu Schäden kommt.

    Hier ist noch ein passender Thread mit mehr Infos.

    #3057121 

    #3115661 

  • Als Antwort auf Tom Filbrandt:

    Die Vielzahl an unterschiedlichen Leuchten und Leuchtmittel bringt mich immer wieder zum Staunen. Es gibt nicht nur für jeden Fall etwas, sondern gleich ganz viele Lösungen für jeden Fall. 

    Aber gibt es mittlerweile auch schon "Smarte Lampen" bzw. "Smarte Leuchten", die gegen Spritzwasser geschützt sind? So viel ich weiß, beschränkt sich die "Smartness" bisher auf Leuchtmittel mit traditionellen Schraubfassungen, die in die jeweiligen Leuchten eingesetzt werden. 
    Gibt es also schon so etwas wie "Smarte Downlights" (... nicht nur für's Badezimmer)?

  • Als Antwort auf Licht.Punkt:

    Da würde ich erst einmal einen einfacheren Weg gehen und ein Spritzwasserfestes Gehäuse um eine smarte Leuchte wie der Osram Lightify erweitern.

    #5047703 

  • Als Antwort auf Licht.Punkt:

    Hallo Licht.Punkt!

    Eine normale Leuchte ist nur so smart wie das Leuchtmittel, das in ihr steckt. Wenn von 'Smart Bulbs' bzw. 'Smarten Lampen' die Rede ist, bekommt man so gut wie immer ein Bild mit der traditionellen Glühbirnenform präsentiert.

    Abbilding: OSRAM Lightify CLA60 RGB #3092486

    Doch was diese Leuchtmittel so clever und kommunikationsfreudig macht, ist eine moderne LED-Lichttechnologie und hochwertige Elektronik. Beides lässt sich in jeder beliebigen Form realisieren, es muss nur ein Mindestmaß an Platz dafür im Sockelbereich vorhanden sein.

    In den allseits bekannten HV-Downlights stecken meist Leuchtmittel (PAR 16-Spots) mit einem GU10-Sockel. Früher kamen die sogenannten Hochvolt-Halogenspots (z.B. Newlec HPAR #3084067) zum Einsatz, heutzutage sollte man aber zu den zeitgemäßen 230 Volt LED-Spots (z.B. Newlec HRLPAR #3177087) greifen.

    Übrigens, schon bei den alten Halogen-Spots konnte man die Hochvolt-Version für 230 Volt (z.B. Newlec HPAR #3006650) ganz leicht von der Niedervolt-Version für 12 Volt (z.B. Newlec HRJLS #3001669) aufgrund ihrer Sockel unterscheiden: Der GU10-Sockel mit dicken Pins ist für 230V, der GU5,3-Sockel mit dünnen Kontaktstiften für 12 V.

    Auch wenn bei uns in Europa die Nachfrage nach Smarten Lampen grundsätzlich noch nicht sehr groß ist, findet man diese neue Art von Leuchtmittel doch schon vereinzelt mit anderen Sockeln, als der klobigen E27-Schraubfassung.

    Diese "Smarten Spots" sind ebenso wie die "Smarten Birnen" über die jeweilige Hersteller-App per Smartphone und Tablet bedienbar, können vielfach aber auch in SmartHome-Systeme wie Amazon Alexa, Google Home, Samsung SmartThings, Zigbee, Osram Lightify, Philips Hue usw. eingebunden und dann mit weiteren Sensoren, Aktoren und Lampen kombiniert werden. Und wenn dann noch die Schutzart des Downlight-Gehäuses passt (also IP44), kann auch in die Beleuchtung des Badezimmers eine gewisse Intelligenz installiert werden.

    Einem totalen SmartHome steht also nur der eigene Kontostand im Wege ... ;)

  • Ich würde auch eine IP44 vorschlagen. Bei Bedarf eventuell sogar IP65, damit die Lampe auch Strahlwassergeschützt ist.

    Beste Grüße

    Fred