Hausautomatisierung kabel/funk/nachrüsten

Hallo,

für eine neue Installation einer Hausautomatisierung für Licht, Heizung und möglicherweise auch Klingel und Rollläden inkl. Sensoren stellt sich für mich die Frage, ob eine Lösung per Funk sinnvoll ist.

Vor allem beim nachrüsten von bestehenden Bauten ist es doch eher aufwändig und teuer überall die neuen Kabel zu ziehen, hat hier jemand Erfahrung mit einer fungebundenen Lösung?

Wie sieht es mit kabelgebundenen Lösungen aus, da gibt es ja KNX aber auch andere Lösungen wie Wiser von Merten.

Hat sich hier eine propritäre Lösung als sinnvoll herausgetsellt? Ode basiert beides auf dem selben System?

Von Wiser gibt es ja das Raumthermostat (#2227948 ) und das passende für den Heizkörper (#2227952 ) ,wie ist dieses im Vergleich zur sagen wir Fritz!-Lösung?

  • Hallo Techniker_profi,

    so gut wie jeder Hersteller will sich ein Stück vom "Smarten Kuchen" abschneiden. Das ist auch gut so, es stärkt die Wirtschaftsleistung und sorgt durch vermehrten Wettbewerb dafür, dass die Preise für die Smarten Geräte schrittweise sinken.

    Neubauten sollten auf jeden Fall mit einem Bussystem geplant werden. Hier hat sich über die vergangenen Jahre EIB/KNX als Sieger herauskristallisiert (Gegenfrage: Wer kennt IDRATEK Intelligent Home Automation? – Na also ;). Der Vorteil, wenn man ein sehr bekanntes und weit verbreitetes System hat, ist, dass viele andere Hersteller ihre Komponenten und Regelungssysteme dazu kompatibel machen (auf welche Weise auch immer). KNX ist ein mächtiges und umfangreiches Automationssystem für die Gebäudetechnik, das als Grundlage sämtlicher Anlagen verwendet werden kann, nicht nur zur Steuerung der Beleuchtung oder der Heizung.

    Bei einem bestehenden Gebäude ist die Umrüstung der klassischen Elektroinstallation auf KNX mit erheblichem Aufwand verbunden. In diesem Fall - also Upgrade einer bestehenden Verkabelung - wäre beispielsweise das ABB/Busch-Jäger Powernet KNX eine gute Lösung. Es basiert auf dem KNX-Busstandard, nutzt allerdings die ohnehin bereits vorhandenen Stromkabel zur Übertragung der Signale. Und das große Plus daran: mittels KNX-Funk können weitere KNX-Funk-kompatible Geräte und Sensoren anderer Hersteller drahtlos ins SmartHome-System eingebunden werden. 

    Als schnelle und kostengünstige Alternative haben auch "geschlossene" (d.h. proprietäre) Lösungen eine Daseinsberechtigung. Die Geräte aus dem herstellereigenen Sortiment sind perfekt aufeinander abgestimmt und funktionieren in der Regel für lange Zeit sehr zuverlässig. Der Nachteil ist aber, dass die Geräteauswahl stark begrenzt ist und wenn die Produktlinie eingestellt wird oder der Hersteller vom Markt verschwindet, gibt es normalerweise keine weiteren Ausbaumöglichkeiten. Daher sollte man sich rechtzeitig einen ausreichend großen Ersatzteilvorrat anschaffen oder nach passenden Gateway-Lösungen suchen.

    Was ich persönlich von derartigen "Insellösungen" halte, kann hier und auch hier nachgelesen werden. Aber das ist, wie gesagt, nur meine persönliche Meinung ...

    Das Wiser-Temperaturregelungssystem von Eberle kannte ich noch nicht (kein Wunder bei der Vielzahl an smarten Systemen am Markt). Es scheint ein gut durchdachtes Heizungssystem mit Mehrzonen-Einzelraumregelung zu sein, ist also besonders gut zur Energieoptimierung bei größeren Wohnungen und Häusern geeignet. Eine bestehende (manuell bedienbare) Heizungsanlage lässt sich damit rasch und extrem einfach mit Intelligenz aufrüsten.

    Allerdings ist das Wiser-System (derzeit noch?) auf die Regelung der Heizungen beschränkt. Das bedeutet, wenn du die angesprochenen Bereiche wie Beleuchtung, Türklingel/-öffner, Rollläden usw. ebenfalls in die Hausautomation einbinden möchtest, sind dazu separate Systeme von anderen Herstellern erforderlich. Zumindest kann die Wiser-Heizungsregelung als Skill zu Amazon Alexa hinzugefügt werden. Auf diese Weise (Gateway-Lösung) lassen sich auch mehrere Einzelsysteme miteinander kombinieren (siehe auch diesen Beitrag). Wenn allerdings das WLAN oder die Internetverbindung gestört ist, ist es mit der 'Smartheit' ebenfalls aus und vorbei ... 

    Übrigens, beim eNEXHO (Etherma Next Home System) können zumindest Heizung, Beleuchtung, Rollläden, Rauchmelder, Wasserdetektoren, Überwachungskameras und über einen Schaltaktor auch andere Haushaltsgeräte mit einem System und dadurch über eine einzige App überwacht und gesteuert werden. Und die Smart Friends Box (#5057715) verbindet verschiedene Geräte der deutschen Hersteller ABUS, Schellenberg, Steinel und Paulmann zu einem intelligenten Netzwerk über eine einzige App. Interessanterweise wirbt dieses Konsortium damit, dass ihr System auch ohne aktiven Internetzugang (also ohne Cloud) innerhalb des geschützten eigenen Heimnetzes funktioniert und daher sämtliche Daten absolut sicher sind ... Alexa wäre damit aus dem Rennen ;)